
Im Frühjahr 2000 wurden 10 Kinder aus Radishat Gatajewas Waisenhaus von Gastfamilien nach Kaunas eingeladen. Schließlich erhielten sie von der litauischen Regierung ein Aufenthaltsrecht, eine mietfreie Wohnung in Kaunas und die Einladung einer russischen Schule, die Kinder aufzunehmen. Die Gatajews entschieden sich, die Chance für ein paar der Kinder wahrzunehmen, in Litauen bleiben zu können und einigen Kindern eine ordentliche Schul- und Ausbildung zu ermöglichen. Für die laufenden Unterhaltskosten kommen seit Ende 2000 Freunde aus Deutschland auf. Aus der Privatinitiative wurde Anfang 2004 ein Verein – Kaukasuskinder e.V.
Im Sommer 2006 sind 13 weitere Kinder und Jugendliche aus Grosny in Kaunas eingetroffen. Auf Initiative der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. wurde in der Nähe von Kaunas ein Haus gekauft. Das jüngste Kind ist 3 Jahre alt, deshalb wurde das Projekt auf etwa 15 Jahre konzipiert. Langfristig wird unser Verein auch für den Unterhalt des Hauses und die Versorgung dieser Kinder die Verantwortung übernehmen.
Benötigt werden dann mindestens 3000 Euro monatlich. Hinzu kommen Sonderausgaben, wie Jahresvisa, Krankenversicherung und medizinische Betreuung. Etwa 10 Jugendliche steuern mittlerweile in Richtung Berufsausbildung. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass noch vor 5 Jahren fast alle Analphabeten waren.
Alle Kinder und Jugendlichen in Kaunas sind Kriegswaisen. Ihre Biographien und die Dinge, die sie erlebt haben sind mitunter so grausam, dass sie kaum in Worte zu fassen sind und von Außenstehenden kaum erfasst werden können. Der Verein sammelt und dokumentiert die Lebensgeschichten der Kriegswaisen. Seda (17) zum Beispiel ist ein intelligentes, fröhliches Mädchen, das unbedingt Dolmetscherin für Englisch werden möchte und in Kaunas sehr fleißig lernt. Sie kam vor 10 Jahren zu Radishat Gatajewa und war eines der ersten Kinder im Waisenhaus. Sedas Mutter starb jung an Krebs. Ihr allein erziehender Vater war taubstumm.
Wütende russische Soldaten hatten ihn 1995 auf offener Straße erschlagen, weil er nicht auf ihre Fragen antwortete. Das Mädchen musste alles mitansehen. Sie war hinzugerannt, um die Situation zu erklären.
Andere Mädchen, nur wenig älter als Seda damals, werden von den russischen Truppen, aber auch von Einheimischen systematisch vergewaltigt. Jungs ab 12 Jahren werden verschleppt, interniert und nicht selten umgebracht. Sie gelten als Handlanger der Terroristen – so der Vorwand. Meist stecken Lösegeldforderungen hinter einer Entführung. Internationale Schätzungen gehen von mindestens 35 000 getöteten Kindern seit 1994 aus. Der Krieg hat aber noch viel mehr Waisen hinterlassen. Die Gatajews bedauern sehr, dass es ihnen unmöglich ist, die vielen Straßenkinder aufzunehmen und staatliche Waisenhäuser wollen sie oftmals nicht aufnehmen, denn es sind meist schwierige Kinder: verwahrlost, drogenabhängig, kriminell, krank und traumatisiert.
Die meisten Kinder in Tschetschenien haben keinen friedlichen, geregelten Alltag. Viele können nicht jeden Tag zur Schule gehen, später einen Beruf erlernen, Geld verdienen und eine Familie gründen. Diese, an sich banalen Wünsche werden für die meisten von ihnen ein unerreichbarer Traum bleiben. Für ein paar von ihnen sind diese Wünsche realisierbar. Auf diesem Weg möchte der Verein Kaukasuskinder e.V. das Waisenhaus Rodnaja Semja und die Kinder und Jugendlichen weiterhin begleiten. Mit unseren tschetschenischen Partnern verbindet uns die Devise „Bildung statt Krieg“.
Information und Aufklärung über den Krieg in Tschetschenien sind ebenfalls Bestandteil der Arbeit des Vereins. Wir haben bereits mehrere Ausstellungen und Sachspendentransporte organisiert. Informationen über unsere Arbeit, Reportagen, Fotos und Neuigkeiten gibt es auf unserer Homepage: www.kaukasuskinder.org, persönliche Informationen bei Sandra Schumann unter noneblonde@yahoo.de oder 0173/6218551.
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