Litauen
  Tschetschenien

 

 

 

 

 

Die Kooperation zwischen dem Waisenhaus Rodnaja Semja und dem

Verein Kaukasuskinder e.V.

 

Im Frühjahr 2000 wurden 10 Kinder aus Radishat Gatajewas Waisenhaus von Gastfamilien nach Kaunas eingeladen. Schließlich erhielten sie von der litauischen Regierung ein Aufenthaltsrecht, eine mietfreie Wohnung in Kaunas und die Einladung einer russischen Schule, die Kinder aufzunehmen. Die Gatajews entschieden sich, die Chance für ein paar der Kinder wahrzunehmen, in Litauen bleiben zu können und einigen Kindern eine ordentliche Schul- und Ausbildung zu ermöglichen. Für die laufenden Unterhaltskosten kommen seit Ende 2000 Freunde aus Deutschland auf. Aus der Privatinitiative wurde Anfang 2004 ein Verein – Kaukasuskinder e.V.

 

Information und Aufklärung über den Krieg in Tschetschenien sind Bestandteil der Arbeit des Vereins. Geplant, aber leider noch nicht finanziert ist zum Beispiel eine Fotoausstellung mit Veranstaltungsreihe. Wir haben außerdem bereits mehrere Sachspendentransporte organisiert. Hauptaufgabe des ausschließlich gemeinnützig arbeitenden Vereins ist aber das Fund Raising für den Unterhalt der 10 Kinder und Jugendlichen des Projekts NADESHDA in Kaunas und die Kontaktpflege zu unseren tschetschenischen Partnern, mit denen uns die Devise „Bildung statt Krieg“ verbindet.

 

Benötigt werden mindestens 1000 Euro monatlich, darunter 600 Euro für Nebenkosten und 300 Euro für Lebensmittel. Hinzu kommen Sonderausgaben, wie Jahresvisa, Krankenversicherung und medizinische Betreuung. Sechs der 10 Kinder und Jugendlichen steuern mittlerweile in Richtung Berufsausbildung. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass noch vor 5 Jahren fast alle Analphabeten waren.

 

Alle Kinder und Jugendlichen in Kaunas sind Kriegswaisen. Ihre Biographien und die Dinge, die sie erlebt haben sind mitunter so grausam, dass sie kaum in Worte zu fassen sind und von Außenstehenden kaum erfasst werden können. Der Verein sammelt und dokumentiert die Lebensgeschichten der Kriegswaisen. Seda (17) zum Beispiel ist ein intelligentes, fröhliches Mädchen, das unbedingt Dolmetscherin für Englisch werden möchte und in Kaunas sehr fleißig lernt. Sie kam vor 10 Jahren zu Radishat Gatajewa und war eines der ersten Kinder im Waisenhaus. Sedas Mutter starb jung an Krebs. Ihr allein erziehender Vater war taubstumm.

Wütende russische Soldaten hatten ihn 1995 auf offener Straße erschlagen, weil er nicht auf ihre Fragen antwortete. Das Mädchen musste alles mitansehen. Sie war hinzugerannt, um die Situation zu erklären.

 

Andere Mädchen, nur wenig älter als Seda damals, werden von den russischen Truppen systematisch vergewaltigt. Jungs ab 12 Jahren werden verschleppt, interniert und nicht selten umgebracht. Sie gelten als Handlanger der Terroristen – so der Vorwand. Meist stecken Lösegeldforderungen hinter einer Entführung. Internationale Schätzungen gehen von mindestens 35 000 getöteten Kindern seit 1994 aus. Der Krieg hat aber noch viel mehr Waisen hinterlassen. Die Gatajews bedauern sehr, dass es ihnen unmöglich ist, die vielen Straßenkinder aufzunehmen und staatliche Waisenhäuser wollen sie oftmals nicht aufnehmen, denn es sind meist schwierige Kinder: verwahrlost, drogenabhängig, kriminell, krank und traumatisiert.

 

Die meisten Kinder in Tschetschenien haben keinen friedlichen, geregelten Alltag. Viele können nicht jeden Tag zur Schule gehen, später einen Beruf erlernen, Geld verdienen und eine Familie gründen. Diese, an sich banalen Wünsche werden für die meisten von ihnen ein unerreichbarer Traum bleiben. Für ein paar von ihnen sind diese Wünsche realisierbar. Auf diesem Weg möchte der Verein Kaukasuskinder e.V. das Waisenhaus Rodnaja Semja und die Kinder und Jugendlichen weiterhin begleiten.